Sexualität nach der Geburt

Das für viele werdende und frischgebackene Väter interessante Thema ist die Sexualität nach der Geburt des Kindes (der Kinder). Und ganz so einfach ist das Thema gar nicht zu beantworten, denn es gibt sehr viele Faktoren die man hier berücksichtigen muss und eine pauschale Aussage zu dem Thema kann man nicht wirklich treffen. Dennoch will ich gern meine Meinung und meine Erfahrung zu dem Thema schildern, um dem ein oder anderen vielleicht ein paar Ratschläge mit auf den Weg geben zu können.

Als erstes müssen Männer wissen, dass die Sexualität nach der Geburt eines Kindes in seltenen Fällen, so ist wie vor der Geburt, und das hat (wenn „Mann“ mit der Frau und jetzt gewordenen Mutter richtig umgeht) auch etwas Gutes.

Wie ist das gemeint? 

Die Geburt eines Kindes ist in meinen Augen wie eine zusätzliche Hochzeit des Paares unabhängig davon, ob man schon verheiratet ist oder nicht. Dieser kleine Mensch verbindet beide Partner, ein Leben lang.

Was bedeutet das für die Sexualität nach der Geburt?

Meiner Erfahrung nach bedeutet es eine engere Bindung für den Partner und damit auch für die Sexualität. Bei vielen Paaren, die es eventuell schon eine ganze Weile mit dem schwanger werden probiert haben, fällt jetzt der Druck endgültig ab, denn das Kind ist ja nun da.

Und wie sieht es mit der Häufigkeit aus?

Und jetzt kommen wir zum Kernthema! Auch hier gibt es sehr viele Einflussfaktoren, aber es gibt auch gute Ratschläge, welche ich von unserem Frauenarzt, bei einem reinen „Männerabend“ mit einer kühlen Flasche Bier, erfahren habe und die so wertvoll sind, dass ich sie weitergeben will.

Als erstes muss man als Mann akzeptieren, dass gerade in der Zeit nach der Geburt das Sexualleben bei den meisten Müttern keine Rolle spielt. Die Frau ist jetzt Mutter und ihre ganze Konzentration liegt in den ersten Wochen bei dem frisch geborenen Kind. Das wird über Hormone (ist also von der Natur aus so vorgesehen) gesteuert und ist auch vollkommen richtig so! Zusätzlich werden stillende Mütter durch das Stillen weiterhin mit sexualhemmenden Hormonen gefüttert, da das Stillen sehr viel Energie verbraucht und auch wenn die Natur schnellstmöglich ein Geschwisterkind in die Welt setzen will, soll dieses Vorhaben durch das Stillen verzögert werden.

Bei nicht stillenden Müttern kann diese hormonelle Blockade natürlich entfallen. Dennoch werden auch hier durch die Geburt noch genug Hormone ausgeschüttet, die den Sexualtrieb hemmen sollen.

Und wie komme ich nun zur Sexualität nach der Geburt?

Es geht für den Mann jetzt in erster Linie erst einmal um das Verstehen dieses Vorganges und um „Verständnis“ der Frau und dem eigenen Kind gegenüber. Für viele Männer (wie auch für mich), die sich ein regelmäßiges Sexualleben wünschen, kann das in den ersten Wochen zum Problem werden, aber da muss Mann, so hart es klingt, durch!

In dem bereits erwähnten Kurs unseres Frauenarztes wurde uns angeraten, der Frau vor der Geburt folgende 3 Vorschläge zu bringen für die erste Zeit nach der Geburt.

Die Regeln

  1. Der Mann lässt seine Finger von der Brust (die gehört jetzt erst einmal dem Kind) und auch vom Intimbereich (um der Frau die Zeit zu geben sich als Mutter zu finden).
  2. Der Mann lässt die Frau mit regelmäßigen sexuellen Anspielungen in Ruhe (keinen Druck ausüben).
  3. Die Frau kümmert sich in dieser Zeit jedoch, wenn ihr möglich, um die sexuellen Bedürfnisse des Mannes (wie, darf jedes Paar für sich selbst herausfinden).
  4. Meine eigene Regel: Ehrliche Kommunikation mit dem Partner

Umsetzung der Regeln

Ich habe meine Freundin diesen Vorschlag gemacht und mich an die Punkte 1 und 2 gehalten. Sie wiederum hat sich dann, sobald es ihr zeitlich und kräftemäßig möglich war, an Punkt 3 gehalten und so haben wir die ersten Wochen gut geschafft. Punkt 4 habe ich für mich selbst entdeckt: Die kompromisslos ehrliche Kommunikation mit dem Partner in Kombination mit dem gegenseitigen Verständnis. Wer bis jetzt noch nicht mit dem Partner über seine Gefühle reden konnte, bekommt hier die Möglichkeit damit anzufangen. Seid ehrlich über eure Bedürfnisse, aber habt auch Verständnis, wenn eure Partnerin ehrlich sagt, dass sie sich gerade nicht in der Lage fühlt, eure Bedürfnisse zu befriedigen. Fragt euch in diesem Moment, womit Mann ihr helfen kann, um wieder zu Kräften zu kommen.

Verhütung in den ersten Wochen (Monaten)

Da wir vor und auch nach der Schwangerschaft nach der Natürliche Empfängnisregelung (NER) von Prof. Rötzer verhüten (für weitere Informationen: https://iner.org/kennenlernen/start.html ), hatten wir innerhalb der ersten 6 Wochen, sobald der Wochenfluss abgeklungen war und die Gebärmutter wieder ganz klein war, auch ein paar Mal ganz normalen Verkehr.

Die alte Schule lehrt uns hier, dass man innerhalb der ersten 6 Wochen keinen Verkehr haben soll. Ihr könnt schon aber es ist wichtig, dass der Wochenfluss vorbei und nicht nur unterbrochen ist und dass sich die Gebärmutter eurer Partnerin stark zurückgezogen hat. Der Hintergrund ist die offene Wunde im Inneren eurer Partnerin durch die Ablösung der Plazenta. Ist diese noch nicht wieder verheilt, besteht durch Geschlechtsverkehr die Möglichkeit einer Infektion. Ich habe zwar mal gehört, das Sperma die sauberste Flüssigkeit ist, die ein Mann absondern kann, aber darauf sollte man sich nicht verlassen. Eure Hebamme, sofern sie gut informiert ist, kann euch hier helfen.

Ihr seht also, es muss nicht gleich Schluss sein mit dem Sex, aber es ist sehr wichtig, dass Männer in dieser Zeit sehr behutsam mit ihren Frauen umgehen. Nach dem Motto: Wer Knaddeln will, muss nett sein!

Wie geht es weiter?

Manche Frauen fangen danach wieder mit der Pille an. Wie es sich da verhält, kann ich nicht beurteilen. Ich kann euch nur sagen wie es für uns die Sexualität nach der Geburt mit der NER war.

Ab der 6. Woche nach der Geburt haben wir angefangen, mit Kondom zu verhüten oder uns anderweitig beholfen und darauf geachtet, dass keine Ejakulation in der Vagina erfolgt ist (der coitus interruptus ist hier ebenso nicht zu empfehlen).  Wir merkten dann ab der 12. Woche, dass die Natur dennoch leicht ihren Wunsch nach einem Geschwisterkind nachkommen will, da meine Freundin anfing auch wieder selbst auf mich zuzukommen. Ab hier wussten wir, dass wir wirklich aufpassen müssen bis zu ihrer ersten Periode, damit wir wieder mit der normalen Regelung nach NER arbeiten und somit auch wieder ungeschütztem Verkehr nachkommen können.

Zusammenfassung

Kommuniziert ehrlich mit eurer Partnerin, übt keinen Druck aus (das ist sehr kontraproduktiv) und übt euch in Verständnis in den ersten Wochen. Was eure Partnerin da zur Geburt geleistet hat, ist Wahnsinn und sollte entsprechend mit Respekt und Fürsorge geachtet werden.  Die Geburt eines Kindes steigert meiner Meinung nach die Qualität des Sexuallebens. Mann und Frau müssen nur erst einmal mit den Veränderungen zurechtkommen. Das die Häufigkeit nicht unbedingt mehr so gegeben ist, muss klar akzeptiert werden, aber wenn beide mit Sorgfalt aufeinander zugehen, dann ist die Zeit schneller vorbei, als Mann denkt und auch nicht so schlimm. Genießt die gemeinsame Zeit 😉

Sonderfälle

Es gibt hier und da Fälle, bei denen die Geburt nicht so harmonisch ablief wie angedacht, Männer eventuell Dinge gesehen haben, die sie so schnell nicht mehr los lassen oder Frauen noch eine Weile mit der Geburt zu kämpfen haben. Auch hier gilt: Geduld und Verständnis! Wenn ihr nach Wochen oder vielleicht sogar Monaten merkt, dass ihr nicht mehr zueinander findet und es selbst durch offene Gespräche nicht klären könnt, holt euch Hilfe herbei. Eure Hebamme ist da euer erster Ansprechpartner und kann euch begleiten oder weiterleiten. Traut euch wirklich, die Dinge anzusprechen.

Nachtrag

Dieser Artikel wird von Zeit zu Zeit aktualisiert, sollten mir noch weitere erwähnenswerte Inhalte einfallen oder ich neue Erfahrungen sammeln, welche ich mit euch teilen will.