Die Geburt aus der Sicht eines Mannes

Der Höhepunkt einer neun monatigen Reise nähert sich dem Ende. Die Geburt eures Kindes kündigt sich an. Vielleicht seid ihr zu Hause, vielleicht seid ihr unterwegs oder auf Arbeit und bekommt einen Anruf von eurer Frau. Die Wehen haben eingesetzt. Wie also sieht sie aus, die Geburt aus der Sicht eines Mannes?

Das ist der Moment, in dem der Mann meist erst eine Sache wirklich begreift. Es gibt jetzt kein zurück mehr und das das Lotterleben, dass Mann vor 5 Minuten noch geführt hat, ist vorbei. Plötzlich wird Adrenalin im Körper ausgeschüttet und Mann ist aufgeregt. Was soll ich tun? Was kann ich tun? Ein kleiner Ratgeber für alle werden Erstväter.

Ruhe bewahren!

Die Geburt des ersten Kindes dauert meist mehrere Stunden daher müsst ihr nicht gleich in Panik verfallen, wild mit den Armen rudernd durch die Gegend rennen oder Need For Speed™ auf den Straßen spielen.

Wenn ihr Daheim seid wird eure Frau ihre Hebamme anrufen. Diese wird die nun werdende Mutter instruieren. Und ihr? Männer müssen sich zum Thema Geburt eins klar machen: Ihr seid zu Gast bei diesem Ereignis!

Dogma der Geburt

„Die Geburt ist ein von Natur aus auf ein positives Ergebnis ausgerichtetes Ereignis.“

Eure Frauen sind für die Geburt eines kleinen Menschen geschaffen und ein ruhiger Partner der ihnen das Gefühl gibt, dass alles in Ordnung ist, ist die beste und einzige Hilfe die sie von euch bekommen können.

Zeitpunkt zum Aufbrechen

Wenn die Wehen also regelmäßig kommen (Wehenpausen um die 5 Minuten), lohnt es sich ins Krankenhaus oder in das Geburtshaus zu fahren. Ihr macht das dann allerdings mit aller Ruhe (ebenso bei Hausgeburten, falls ihr unterwegs seid). Falls ihr getrennt von eurer Frau seid, erkundigt euch genau über die aktuelle Wehenpausenzeit. So lange zwischen den Wehen mehr als 10 Minuten vergehen habt ihr noch genügend Zeit gemütlich nach Hause zu fahren um eure Frau abzuholen. Solltet ihr den Anruf bekommen und es sind schon weniger als 5 Minuten überlegt euch, ob ein naher Verwandter eure Frau fahren kann und ihr dann direkt ins Krankenhaus/Geburtshaus fahrt.

Im Kreissaal

Im Kreissaal angekommen richtet ihr es eurer Frau so ein, dass sie sich wohl fühlt. Eure Frau ist jetzt die Königin und was sie will wird gemacht, ohne wenn und aber!

Falls ihr die Zeit noch habt, macht einen gemütlichen Spaziergang an der frischen Luft um noch einmal Kraft zu tanken. Während einer Wehe bleibt ihr dann neben eurer Frau stehen und stützt sie wie ein starker Baum.

Ansonsten ist für den Mann meist nicht viel zu tun. Bedenkt bitte immer wieder: Ihr seid zu Gast! Euer gesamtes Benehmen während dieser Zeit sollte sich nach diesem Spruch richten.

Eure Frauen werden euch vor der heißen Phase schon sagen, was sie wollen und was nicht. Versorgt sie mit ausreichend Wasser und positiven Gedanken. Manche wollen vielleicht noch etwas Essen oder etwas mitgebrachtes (bei uns war es eine Salzlampe) aufgestellt haben. Wenn eurer Frau etwas im Raum nicht gefällt was sich für die Zeit entfernen lässt, fragt die Hebammen, ob ihr es entfernen könnt. Das allerwichtigste ist, dass eure Frau sich wohl fühlt und sich voll und ganz gehen lassen kann.

Die heiße Phase

Wenn die Wehen dann in Abständen von ca. 3 Minuten kommen beginnt die eigentliche Geburt. Oft hört man Frauen sagen „Ich habe 20 Stunden in den Wehen gelegen“. Jedoch habe ich von unserem Frauenarzt und den Hebammen erfahren, dass es sich hierbei um sog. Eröffnungswehen handelt (Mehr darüber im Buch „Das Geheimnis der ersten neun Monate – Reise ins Leben“ ). Die „wirkliche“ Geburt beginnt laut dem, was ich gelernt habe, erst ab einem Wehenabstand von ca. 3 Minuten.

Allerdings sei hier eine wichtige Sache gesagt liebe Kollegen! Dies bedeutet freilich nicht, dass eure Frauen kein Schmerzen haben und sich gefälligst nicht so haben sollen! Auch die Schmerzen der Wehen vor der sog. tatsächlichen Geburt sind ordentlich und für uns Männer wohl kaum vorstellbar. Ich kann euch mit absolut Sicherheit sagen, dass ich persönlich bis zum Zeitpunkt der Geburt meiner Tochter noch nie in meinem Leben großartig demütig war. Zu diesem Zeitpunkt war ich jedoch wahrscheinlich das erste Mal in meinem Leben so richtig demütig gegenüber dem, was meine Frau da geleistet hat.

Der Eine oder Andere fragt sich jetzt vielleicht warum ich über Demut und nicht über Ehrfurcht spreche. Hier ein guter Artikel über den „Wahren Demut“.

Hilflosigkeit

In den entscheidenden letzten Minuten der Geburt macht sich bei den meisten Männern wahrscheinlich ein Gefühl am meisten breit. Die Hilflosigkeit! Wenn sie euch auch erwischt, ist das kein Grund sich zu schämen. Ehrlich gesagt könnt ihr in diesem Moment nicht wirklich viel aktiv für eure Frau machen. Hier wirkt jetzt die Urgewalt der Natur. Alles ist auf die Frau und das Kind konzentriert und wieder der bescheidene Hinweis von mir: „Ihr seid zu Gast“.

Leute ich kann euch sagen ich habe mich nie zuvor in meinem Leben so hilflos gefühlt wie in diesem Moment! Ich muss hier auch wirklich öffentlich meinen größten Respekt an meine Freundin zollen! Sie hat in dieser Phase (wie auch zuvor schon) so souverän durchgezogen, dass ich überhaupt nicht viel machen konnte. Zusehen, abundzu mal sanft streicheln oder in den warmen Nacken pusten um zu kühlen. Mehr war von meiner Seite überhaupt nicht nötig.

Auf die Frage hin was ihr am meisten geholfen hat an meiner Anwesenheit war die Antwort: „Deine Anwesenheit!“

Das Licht der Welt

Nachdem ihr nun mehrere Stunden an der Seite eurer Frau ausgeharrt und sie so gut es euch möglich war, unterstützt habt. Ihr erschöpft und müde seid. Ihr hofft das eure Frau nun bald von ihren Schmerzen erlöst wird. Ihr wisst, dass die Geburt bald ihren Höhepunkt erreicht. Ihr jetzt endlich sehen wollt wofür der ganze Kraftakt hier eigentlich nötig war. Euch vor Aufregung fast das Herz aus der Brust springt und ihr gar nicht begreifen könnt, wie viele Gefühle ihr gerade eigentlich fühlt, passiert es!

Euer Kind macht sich nun auf den finalen Weg und fängt an seinen Kopf aus dem Körper eurer Frau zu strecken. Normalerweise mit dem Blick nach unten. Jetzt steigt die Spannung ins unendliche. Während eure Frau jetzt so richtig am Kämpfen ist, könnt ihr es kaum erwarten, eurem Kind das erste Mal ins Gesicht zu blicken.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt der Körper hinterher und ihr erblickt das einzig wahre Wunder des Lebens! Ein kleiner Mensch. Eurer Kind! Halleluja!

Wer wie wir bis zu diesem Zeitpunkt das Geschlecht seines Kindes noch nicht wirklich wusste hat nun Gewissheit.

Was nun in einem Mann vorgeht ist individuell und bei jedem Mann anders daher hier meine persönliche Geschichte:

 

Beitrag ist noch im Finalisierungsprozess…AllyG